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Die Geschichte des Loretto-Areals

Entstehung des Namens

Eigentlich hat unser Stadtteil gar keinen Namen; auf dem Stadtplan ist jedenfalls keiner eingezeichnet. Warum nennen ihn dann alle „Loretto“?



Dort, wo inzwischen viele neue Wohnungen entstanden, war bis Anfang der neunziger Jahre französisches Militär stationiert. Die meisten der in den letzten Jahren Zugezogenen wohnen auf dem ehemaligen Exerzierplatz. Bis 1945 war hier deutsches Militär stationiert.
Gebaut wurde die Kaserne in den Jahren 1914 bis 1916. Damals war nämlich die alte Kaserne am Bahnhof zu klein geworden. Als die „Neue Kaserne“ dann fertig war, waren die Soldaten, für die sie bestimmt war, jedoch längst an der Front - oder gefallen.

Anfang der 20er Jahre - Deutschland hatte massiv abrüsten müssen - befahl das Reichs- wehrministerium, jede Kompanie der Reichswehr habe die Tradition eines aufgelösten Regiments des kaiserlichen Heeres zu übernehmen. Eine in „Loretto“ stationierte Kompanie bekam die Tradition der „Hohenzollernfüsiliere“ zugewiesen, eines preußischen Regiments, das 1914/15 in Nordfrankreich an den Kämpfen um die Höhe von Notre Dame de Lorette teilgenommen hatte. In der „ L o r e t t o - Schlacht“ waren über 100.000 deutsche und französische Soldaten ums Leben gekommen, und beiderseits des Rheins wurden um die Schlacht nationalistische Mythen gebildet. 1938 erging aus Berlin der Befehl, alle deutschen Kasernen hätten Namen zu bekommen. Das diente der ideologischen Kriegsvorbereitung. Vorzugsweise wurden Schlachtorte des Ersten Weltkriegs gewählt. Die Tübinger Infanterie-Kaserne wurde nach Thiepval benannt und die „Neue Kaserne“ nach Loretto. Anläßlich eines Treffens von Loretto-Veteranen in der Kaserne 1939 wurde sogar die Paulinenstraße in Lorettostraße umbenannt (1945/46 rückgängig gemacht). Und die Burgholzkaserne wurde nach Hindenburg benannt.


Und heute? Der zentrale Platz des neuen Stadtteils heißt Lorettoplatz. Das klingt nach Italien oder einer Eis- oder Pizzasorte. Die Assoziation ist fast richtig: Notre Dame de Lorette in Frankreich bezieht sich auf den Wallfahrtsort Loreto in Italien, genau wie die beiden Loretto-Kapellen auf der Schwäbischen Alb.
(Quelle: Jens Rüggeberg)

Entwicklung des Areals

Der Abzug der Franzosen im Jahre 1991 bedeutete für die Stadt Tübingen die Chance, diesen bis dahin eher vernachlässigten Stadtteil zu entwickeln und damit und zur Beruhigung des überlasteten Wohnungsmarktes beizutragen. Auf dem 65 Hektar großen Areal in der Tübinger Südstadt sollte ein neues "verdichtetes, gemischt genutzes Stadtgebiet" entstehen.

Im Sommer 1991 wurde deshalb ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben, den das Stuttgarter Architekturbüro LEHEN drei für sich entscheiden konnte. Zusammen mit dem Stadtsanierungsamt (unter der Leitung von Andreas Feldtkeller) entwickelten die Architekten um Matthias Schuster folgende Konzeption für das neu entstehende Viertel, wobei die folgenden drei Motive besondere Beachtung fanden:

  • Schaffung eines städtebaulichen Rückgrats für den bis dahin durch unzugängliche Flächen und Barrieren wie die B27 von der Kernstadt abgeschnittenen Stadtteil
  • Kein "Bauen auf der grünen Wiese", d.h. keine Ausdehnung des bebauten Gebiets auf Randflächen, sondern Nutzung vorhandener Flächen auf dem Stadtgebiet, um dem hohen Bedarf an Wohn- und Gewerbeflächen gerecht zu werden
  • Schaffung städtischer Strukturen, also gemischt genutzte Gebäudestrukturen anstatt reiner Wohnsiedlungen, und hierdurch Verdichtung des Wohn- und Arbeitslebens auf begrenzten Flächen.

Die Umsetzung dieser Ziele ist den Planern so gut gelungen, dass das Projekt schon mehrere, auch internationale Preise, auf dem Städtebausektor gewonnen hat. Lesen Sie dazu mehr unter "Architektur".